Nachdenkenswert | Bleibende Zeilen | Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945

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Bleibende Zeilen

Zwischen zwei schwarzen, rauen Steinen
steh ich
und such’ den Blick hinaus.
Will ihn drehen, vorbeigehen
und doch will ich bleiben, verweilen,
will endlich verstehen.

Lange Briefe ließen sie
für vertraute Seelen zurück,
geteilte Erinnerung, flüchtiges Winken
manches Mal auch ein Kuscheltier.
Am Abend waren sie Fremde und Nachbarn.
Am Morgen waren sie nicht mehr hier.

Entführt aus einer Nacht,
lichtlos, gedankenvoll,
in Windeseile,
ungesehen auf dem Weg in den Tod:
so müssen sie gehen.
Leise und doch mit lautem Gedröhn,
ein Kind an der Hand,
und sie flüstern ihm zu: “Das Leben ist schön”.

Zwischen zwei schwarzen, rauen Steine steh ich:
Wie oft haben wir es schon gehört,
nichts davon ist uns neu und doch:
wie kann ich es betrachten, begreifen, darüber sprechen
ohne von Mal zu Mal
auf’s Neue daran zu zerbrechen?

Eine Todesfahrt durch die Nacht,
in Enge.
All die Menschen und jeder trägt
eine Geschichte,
unter dem Mantel verborgen.
Geschichten von unschätzbarem Wert
sind niemals von Menschen geschrieben worden.

Eine ungezählte Menge,
verblasster Geschichten
und entzweiter Schuhe
von Menschen,
Bewegern, Lebensboten,
deren Haare du einzeln gezählt,
die angehäuften Toten.

Lasst es uns nicht vergessen,
lieber
von Mal zu Mal wieder
daran zerbrechen
denn es darf nie wieder geschehen,
und manches kommt leise wieder zurück,
deshalb lasst uns: sie SEHEN,
ihre Zeilen lesen
und die ungeschriebenen schreiben,
ihnen Stimme geben
und stehen bleiben.

Dieser Stein ist zu schwer und dieses Feld
unbegehbar für mich,
unmöglich es jemals zu verlassen
und so wirft es mich neu auf dich.
Im Gehen zwischen all diesen Steinen
wiegt Schuld so unsagbar schwer.
Ohne dich bezwing ich sie nicht,
kein Mensch spricht uns je davon frei
und auch nicht die Zeit, die doch keine Wunden heilt.
Aus diesem Feld werd ich kaum einen Ausgang finden
als nur dich, deine offene Hand
und in dir ein Vergeben über Verstand.
Die Gewissheit dass du liebst und Leben gibst,
dass du bleibst und dass du Geschichten
auf ewig nieder schreibst.

Hier stehe ich:
diese Geschichte hängt uns an,
wie ein altes schweres Kleid,
vergangen, überwunden und doch
bleibend in getragener Erinnerung,
oder im Stolpern über Steine
gegen das Vergessen
und doch vergessen wir so oft
und manch Altes kehrt neu zurück
in anderen Kleidern und neuen Namen,
lauter werdend Stück für Stück.

Auf jedem einzelnen Stein liegen ungehört
geschriebene Worte,
und jedes Wort über ihr Leben
behälst du noch heute fest,
nicht eines ist dir fremd gewesen.
Wie einen Siegel legst du sie an dein Herz,
sammelst sie
unter deinen Flügeln
trägst sie durch mächtige Meere,
ziehst sie mit ewigen Seilen.
Du hast ihre Leben niemals vergessen
und legst sie nieder in bleibenden Zeilen.

Hier stehe ich
und möcht diese Zeilen so gerne greifen
und kann es doch nicht –
sie sind zu weit weg,
die ich niemals kannte und sah.

Ich betaste die schwarzen, rauen Steine
jetzt sachte mit meiner Hand.
Ich will nicht vergessen, werd’s nie begreifen,
lieb sie sehr und hab sie doch
nie gekannt.

Lasst es uns nicht vergessen
lieber
von Mal zu Mal wieder
daran zerbrechen
denn es darf nie wieder geschehen,
und manches kommt leise wieder zurück,
deshalb lasst uns: sie SEHEN,
ihre Zeilen lesen
und die ungeschriebenen schreiben,
ihnen Stimme geben
und stehen bleiben.

Dieser Stein ist zu schwer
und dieses Feld
unbegehbar für mich,
unmöglich es jemals zu verlassen,
und so wirft es mich neu auf dich.
Im Gehen zwischen all diesen Steinen
wiegt Schuld so unsagbar schwer.
Ohne dich bezwing ich sie nicht,
kein Mensch spricht uns je davon frei
und auch nicht die Zeit, die doch keine Wunden heilt.
Aus diesem Feld werd ich nie einen Ausgang finden
als nur dich, deine offene Hand
und in dir ein Vergeben über Verstand.
Die Gewissheit dass du liebst und Leben gibst,
dass du bleibst und dass du Geschichten
auf ewig nieder schreibst.

Zwischen zwei schwarzen, rauen Steinen
steh ich
und such’ den Blick hinaus.
Will ihn drehen, vorbeigehen
und doch bleib ich stehen,
verweile und in mir sammeln sich
all diese Zeilen:
ich kann sie
für einen Moment greifen –
ja, jetzt kann ich sie sehen.

Monika Lusky